Sonic Healthcare: Ist der Diagnostik-Riese nach dem Kurssturz ein Kauf?

Sonic Healthcare geriet nach starken Geschäftszahlen und vielversprechender Strategie dennoch unter Druck – inzwischen könnte der Kursrückgang eine Einstiegschance bieten. In dem Artikel werden Marktstellung, Bewertung und Risiken des weltweiten Diagnostikreservoirs bewertet.
Sonic Healthcare Blog

Der Markt hat den australischen Diagnostik-Konzern Sonic Healthcare (ASX: SHL) in den letzten Monaten hart abgestraft. Die Aktie notiert nahe ihres 52-Wochen-Tiefs und hat seit Jahresbeginn rund 17 % an Wert verloren. Der Grund ist schnell gefunden: der »Post-COVID-Kater«. Nach den Rekordgewinnen durch PCR-Tests in den Pandemiejahren normalisieren sich die Erträge nun wieder. Doch während der Markt auf die sinkenden Gesamtgewinne starrt, übersieht er möglicherweise das Wesentliche: Das Kerngeschäft von Sonic ist stärker als je zuvor, und das Management investiert massiv in die Zukunft. Für antizyklische, langfristig orientierte Anleger könnte sich hier eine seltene Einstiegschance bieten.

Der Schmerz der Normalisierung

Man kann es nicht beschönigen: Der Wegfall der hochprofitablen COVID-19-Umsätze hat tiefe Spuren in der Gewinn- und Verlustrechnung hinterlassen. Allein im Geschäftsjahr 2023 brachen diese Einnahmen um 80 % ein, im Folgejahr um weitere 87 %. Dies führte zu einem schmerzhaften Rückgang des Gewinns je Aktie (EPS) von durchschnittlich 27 % pro Jahr über die letzten drei Jahre. An der Börse, wo oft nur die Veränderungsrate zum Vorjahr zählt, war dies ein klares Verkaufssignal. Die Aktie wurde für den Vergleich mit einer außergewöhnlichen, aber nicht nachhaltigen Sondersituation abgestraft.

Das Kerngeschäft floriert im Verborgenen

Doch wer nur auf die COVID-Zahlen blickt, verpasst die eigentliche Geschichte. Das zugrunde liegende Basisgeschäft – also die reguläre Labor- und Radiologiediagnostik – zeigt eine beeindruckende Stärke. Im Geschäftsjahr 2025 wuchs der Umsatz hier organisch um solide 5 %. Wichtiger noch: Der Nettogewinn des Geschäftsjahres 2023 lag mit 685 Mio. AUD immer noch 25 % über dem des Vorkrisenjahres 2019. Das Fundament des Unternehmens ist also nicht nur intakt, es ist sogar gewachsen.

Angetrieben wird dieses Wachstum von unaufhaltsamen Megatrends. Eine alternde Weltbevölkerung und die Zunahme chronischer Krankheiten sorgen für eine strukturell steigende Nachfrage nach diagnostischen Tests – ein nicht-zyklischer Rückenwind, auf den sich Investoren verlassen können.

Strategische Weichenstellungen für die Zukunft

Das Management unter der Führung des langjährigen und hochangesehenen CEO Dr. Colin Goldschmidt hat die üppigen Cashflows der Pandemiejahre nicht verschwendet. Die Bilanz wurde massiv entschuldet, was nun den Spielraum für strategische Zukäufe eröffnet. Und dieser Spielraum wird genutzt: Mit der Übernahme der LADR-Gruppe für rund 700 Mio. AUD zementiert Sonic seine Marktführerschaft in Deutschland, dem größten europäischen Gesundheitsmarkt. Obwohl die Margen von LADR kurzfristig unter denen von Sonic liegen, verspricht der Deal nach der Integration eine Kapitalrendite von über 11 % – ein strategisch kluger Schachzug.

Gleichzeitig investiert Sonic mit dem Kauf von PathologyWatch in den USA für rund 150 Mio. USD gezielt in die Zukunft der Branche: digitale Pathologie und künstliche Intelligenz. Auch wenn diese Sparte noch nicht profitabel ist, sichert sich Sonic hier einen entscheidenden technologischen Vorsprung, der in den kommenden Jahren zu Effizienz- und Qualitätssteigerungen führen wird.

Bewertung und Ausblick: Eine Frage der Perspektive

Auf den ersten Blick erscheint die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 21 nicht spottbillig. Doch diese Kennzahl basiert auf den aktuell noch gedrückten Gewinnen. Vorausschauend liegt das KGV bei deutlich attraktiveren 18,5. Für einen globalen Marktführer mit einem breiten wirtschaftlichen Burggraben, der auf Skaleneffekten und Netzwerkvorteilen beruht, ist das eine faire Bewertung.

Besonders attraktiv für Einkommensinvestoren ist die Dividendenrendite von fast 4,8 %. Das Management verfolgt eine »progressive Dividendenpolitik« und hat die Ausschüttung auch in der aktuellen Übergangsphase stabil gehalten – ein starkes Vertrauenssignal.

Der entscheidende Katalysator für den Aktienkurs dürfte jedoch die Unternehmensprognose für das Geschäftsjahr 2026 sein. Hier stellt das Management ein Wachstum des Gewinns je Aktie von bis zu 19 % in Aussicht. Dieses Wachstum wird aus dem soliden Kerngeschäft und den zunehmenden Synergien der jüngsten Übernahmen gespeist. Sobald der Markt erkennt, dass die Phase der Gewinnnormalisierung abgeschlossen ist und ein neuer Wachstumszyklus beginnt, dürfte eine Neubewertung der Aktie anstehen. Analysten sehen dies ähnlich: Die Konsensempfehlung lautet »Kaufen« mit einem durchschnittlichen Kursziel von 28,10 AUD, was ein Aufwärtspotenzial von über 25 % impliziert.

Fazit:

Sonic Healthcare ist ein klassischer Fall, bei dem der Markt kurzfristige, rückwärtsgewandte Kennzahlen überbewertet und die langfristige, fundamentale Stärke ignoriert. Für geduldige Investoren, die über den COVID-Kater hinwegsehen können, bietet sich die Chance, ein Qualitätsunternehmen mit globaler Marktführerschaft, starken Wettbewerbsvorteilen und klaren Wachstumstreibern zu einem vernünftigen Preis zu erwerben. Die aktuelle Schwäche könnte sich als eine der besten Gelegenheiten der letzten Jahre erweisen, sich an diesem defensiven Champion zu beteiligen.

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